Gummersbach Windhagen
Viel älter als es aussieht
Gummersbach Windhagen
Wer heute durch Windhagen fährt, sieht Wohnhäuser, ein Gewerbegebiet und viel Verkehr. Man kommt nicht auf die Idee, dass hier einmal Höfe an drei Quellen standen und drei feste Häuser mit Schießscharten.
Erwähnt wird unser Dorf seit über siebenhundert Jahren. Das meiste davon ist überbaut. Ein paar Spuren gibt es noch.
Ein kleiner Zeitstrahl
Steinzeit
Peter Pantel, Arbeiter am „Schafstall", findet 1919 bei Rodungsarbeiten ein Steinbeil aus graublauem Granit. Kurz darauf kommt ein Spinnwirtel aus Ton dazu. Er schickt beides nach Bonn, wo es bis heute im LVR-Landesmuseum liegt.
11.-13. Jh.
Rodungszeit im Bergischen Land. Der Name entsteht: ein „Hagen" ist ein eingehegter Platz im Wald.
um 1300
Windhagen wird zum ersten Mal erwähnt.
2. Hälfte 15. Jh.
Die älteste erhaltene Urkunde. In einer Liste des Kölner Apostelstifts steht „Henrich to Winthagen et eius sorores" – Heinrich zu Windhagen und seine Schwestern.
1586
Etwa 100 Menschen leben hier.
1755
Diederich von Steinen beschreibt das Kirchspiel Gummersbach und erwähnt den Bach, „welche über dem Dorf bey Windhagen entspringet". Windhagen taucht in der gedruckten Literatur auf.
1805–1819
Eine Beschreibung der Kirchspiele verzeichnet in Windhagen drei „wesentlich ältere" Burghäuser. Wann sie gebaut wurden, weiß bis heute niemand.
1813
Wilhelm Sondermann baut ein Wohnhaus in Gummersbach mit Spinn-, Kratz- und Walkmaschine, alle drei angetrieben von einem einzigen Wasserrad. Die Industrie erreicht das Dorf.
Anfang 19. Jh.
Die Straße nach Hückeswagen wird als erste befestigte Straße der Region ausgebaut – heute die B 256. Aus dem abgelegenen Bauerndorf wird ein Ort am Weg.
1905 - 1910
Die Einwohnerzahl springt von 547 auf 719. Die Industrie in Gummersbach wächst, und Windhagen wächst mit.
um 1920
Am nördlichen Ortsausgang soll eine Filmfabrik entstehen. Der Bau beginnt, dann kommt die Inflation. Die Fundamente bleiben noch lange sichtbar.
ab 1970
Die Gewerbegebiete Windhagen-Ost und -West entstehen, eines der größten zusammenhängenden in Gummersbach. Aus dem Bauerndorf wird ein Wohn- und Gewerbestandort.
Ende der 1980er
Bei der Erschließung des Gewerbegebiets Windhagen-Ost wird das Gelände des Steinenbergs stark umgestaltet. Das Quellgebiet der Gummersbach verändert sich dabei erheblich.
2024
Am 7. September feiert Windhagen sein erstes Dorffest der neuen Dorfgemeinschaft. Über 500 Menschen kommen.
Wesentliche Angaben nach Uwe Brustmeier, "Die Quelle(n) der Gummersbach", Jahresgabe 2011 des Bergischen Geschichtsvereins – Oberbergische Abteilung.

Fachwerkhaus von 1750

Hückeswagener Straße 1910

Das noch bestehende "Burghaus"

Das alte Haus Jonas um 1910. Hier begann unser heutiger Kindergarten

Fachwerkhaus von 1750

Blick vom Steinberg 1929
Was vom alten Dorf
geblieben ist
Drei Spuren, die man noch findet
Burgstraße 3-5
Das letzte der drei Burghäuser - ein Bruchsteinbau, heute Doppelwohnhaus. Das eigentlich älteste Stück steht dahinter: ein Stall- und Schuppenhaus mit massiven Mauern und erhaltenen Schießscharten — nach Einschätzung des Bergischen Geschichtsvereins das letzte der drei Burghäuser.
Die Quellen der Gummersbach
Der Bach, der den Namen des Nachbarorts trägt, entspringt hier — an drei Stellen. Um diese Quellen herum lagen die ersten Höfe. Kurios: Nicht der längste der drei Arme heißt „Gummersbach", sondern derjenige, der sich bis ins Windhagener Siedlungsgebiet verfolgen lässt.
Die alten Wege
Der alte Weg von Gummersbach Richtung Kotthausen und die schmale historische Landstraße verliefen anders als die heutigen Straßen – enger, und ein Stück daneben.
Hilf uns, Daten zu sammeln
Vieles fehlt uns. Wir wissen nicht, welche Fabriken die Menschen um 1905 ins Dorf holten. Wir wissen wenig über die Höfe, wenig über die Schule, wenig über die Kriegsjahre.
Wenn du alte Fotos hast, eine Festschrift im Schrank, eine Geschichte von deinen Großeltern – wir würden sie gern hier aufschreiben.
